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So einfach isses nich… 26. April 2008

Posted by Dennis Marc Busch in Allgemeines.
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Vielleicht ist es ganz gut, dass ich noch nicht mit der Literatur durch bin, so kann ich mir einigermaßen unvoreingenommen ein paar Gedanken darüber machen, was denn nun Web 2.0 eigentlich sein soll.

Auf den ersten Blick betrachtet sieht die Geschichte ja ganz einfach aus: Blogs, Wikis, Social Networking – das ist Web 2.0! Aber was an diesen Systemen (btw: mit „Systemen“ meine ich an dieser Stelle grundsätzlich soziotechnische Systeme, gerade auch im systemischen Sinne)  mach jetzt Web 2.0 aus und worin unterscheiden sie sich vom „Web 1.0″? Man könnte es sich einfach machen: Das Web 2.0 ist das (World Wide) Web, wie es sich heute, also in der zweiten Hälfte des ersten Jahrzehnts des dritten Jahrtausends, darstellt. Das wäre aber für eine detaillierte Betrachtung zu einfach, da es die wesentlichen Eigenschaften dieses Zustands einfach ignoriert.

Ich versuche es im foglenden mit drei charakteristischen Eigenschaften:

  1. Partizipative und/oder kollaborative Arbeit
  2. Generierung von Inhalten durch Nutzer
  3. Publizierung der Inhalte (zumindest theoretisch m:n)
  4. Stetige, aber nachvollziehbare Veränderung

In der Diskussion zum vorhergehenden Artikel ist es bereits angeklungen: Ich denke, das wesentliche ist die partizipative Generierung  von Inhalten. Partizipativ bedeutet dabei, dass sich grundsätzlich jeder Nutzer an der Erstellung der Inhalte im Idealfall bereits im Entstehungsprozess gleichberechtigt mit anderen beteiligen kann. Es bedeutet auf der technischen Seite oft, dass diese Partizipation auch mit Kollaboration einhergeht, also der gemeinsamen, ggf. gleichzeitigen Arbeit an den Inhalten. Inhalte können einfach Texte sein, wodurch quasi kollaborativ Publikationen entstehen, die sich von klassischen durch die einfache Verbreitungsmöglichkeit unterscheiden. Das ideale Beispiel ist hier die Wikiepdia, in der Texte von vielen Nutzern gemeinsam in unterschiedlichem Beteiligungsumfang erstellt werden.

Inhalte können aber auch Vernetzungen von Informationen oder Personen sein. So kann jeder Nutzer etwa bei XING Informationen über sich selbst einstellen, das konnte er aber auch schon 1995 auf einer eigenen Homepage. Wesentlich bei XING sind die sich bildenden Netzwerke, und diese sind auch die Inhalte, die hier den partizipativen Charakter gestalten.

Das Web 2.0 ermöglicht es unter anderem durch ein Samelsurium aktueller Techniken, einfach zu pulizieren. Auch 1994 konnte man eine eigene Homepage erstellen und kostengünstig bis kostenlos veröffentlichen. Aber nicht ohne zumindest grundlegende HTML- und FTP-Kenntnisse. Heute ermöglichen u.a. AJAX, CSS, aktive Inhalte und so weiter mir, dass ich diesen Blog einfach in meinem Webbrowser erstelle. Da Kollaboration durch diese Techniken ebenso einfach geworden ist, ermöglicht mir das Web 2.0 damit nicht nur eine 1:n (oder 2, 3 oder 4:n, je nach Coautorenanzahl)-Publikation, sondern eine echte m:n-Publikation, bei der letztendlich oft nicht mehr wirklich nachvollziehbar ist, wer Leser und wer Autor war und ist.

Charakteristisch für Web-2.0-Inhalte ist auch eine gewisse Spanne an Flüchtigkeit. Während klassische Internetseiten oder Offline-Publikationen meist einmal veröffentlicht werden und dann unverändert bleiben, ist charakteristischer Web-2.0-Inhalt einer ständigen Veränderung unterworfen. Allerdings bleibt diese Veränderung meist selbst ebenfalls Publiziert und damit nachvollziehbar. Auf der anderen Seite bilden z.B. Instant Messanger lediglich Möglichkeiten zur Kommunikation zwischen einem oder mehreren Usern, es werden aber keine Inhalte in diesem Sinne generiert, und auch nicht publiziert. Web 2.0 liegt also irgendwo dazwischen.

 Wikis sind meiner Meinung nach daher die Referenzsysteme für das Web 2.0: Sie ermöglichen kollaborative Arbeit, jeder Nutzer kann an jedem Artikel mitwirken. Alle Nutzer des Netzes sind potentielle Konsumenten der Inhalte, gleichzeitig aber auch potentielle Coautoren. Und sie lassen über Versionsverwaltung alle Änderungen nachvollziehen, während prinzipiell sekündlich Änderungen möglich sind. Wahrscheinlich hat Tapscott aus diesen Gründen sein berühmtes Buch „Wikinomics“ und nicht „Blogonomics“ oder ähnliches genannt.

Aus dem hier geschriebenen muss ich  folgern: die Grenze zwischen klassischem Web und dem sogenannten Web 2.0 ähnelt einer Kreidelinie nach einem Regenguss – sie ist äußerst verwaschen. Für mich liegen Systeme wie Wikis, Blogs, YouTube und Social Software eindeutig innerhalb, eBay und Co auf der verwaschenen Linie, E-Mail und Instant Messanger klar außerhalb, werden aber schonmal vom Kreide-Wasser-Gemisch berührt.